Trailrunning, Laufstrecken und Laufgenuss 

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Oben. Ganz weit oben.

18. August 2013 – Wir wollen es wissen: vom Garmischer Hausberg-Parkplatz über Kochelberg und Partnachalm in das märchenhafte Reintal, weiter von der Reintalangerhütte zur Knorrhütte und schließlich hinauf in Richtung „Top of Germany“. Schaffen wir über 2.000 Höhenmeter verteilt auf knapp 25 Streckenkilometer? Es gibt einige Lauftouren im Hoheitsgebiet der Zugspitze – dies ist unsere.

8.57 Uhr – Es geht los. Die lokale Wettervorhersage ist bis zum späten Nachmittag gut. Erst gegen Abend sollen Gewitter einsetzen. Das ist wichtig, denn als Läufer haben wir gewichtsbedingt nicht die ideale Ausrüstung für einen Wettersturz in hochalpinem Gelände dabei. Gut, dass auf der Strecke genug Hütten liegen. Gut, dass Umkehr jederzeit möglich ist. Nach knapp 15 Minuten passieren wir die Kochelbergalm. Die meterhohe Fontäne aus dem dazugehörenden Weiher kommt durch das natürliche Gefälle des Bergwassers zustande.

9.27 Uhr – Über den „Hohen Weg“ und das steile Teersträßchen erreichen wir die Partnachalm. Friedliche Morgenstimmung vor der atemberaubenden Kulisse des Wettersteinmassivs. Noch kein Wanderbetrieb, nur ein Mountainbiker überholt uns auf seinem Weg ins Reintal. Wir folgen ihm auf dem fast ebenen Forstweg. Nach einigen Kurven im Wald taucht der erste Wegweiser zur Zugspitze auf, noch ohne „offizielle“ Zeitangabe. Eine inoffizielle gibt es allerdings schon: Irgendwer hat „16 Std“ dazu gekritzelt…

Der Forstweg verläuft bis zu seinem Ende an der 1.000 Meter-Höhenlinie und mündet bei der Hinterklamm in einen gut angelegten Wanderpfad. Wir treffen auf die Partnach, links und rechts schieben sich die Bergflanken immer näher heran. Auf der linken Seite liegt über 800 m weiter oben der Schachen, rechts überragen uns Hoher Gaifkopf und Stuibenkopf um fast 1.000 m.

Partnachalm – Reintal

10.20 Uhr – An der Bockhütte haben es sich einige Wanderer bequem gemacht und genießen die malerische Atmosphäre des Reintals. Wir überqueren die Partnach auf einer Holzbrücke, der Wanderweg führt nun rechts des Flussbettes nach Westen. Das Tal öffnet sich wieder, die monumentale Bergwelt spielt ihren gesamten Reiz aus. Schon von Weitem kann man die Gipfel sehen, die das Zugspitzplatt und das Brunntal umrunden. Angesichts der hohen Wände, die unseren Laufweg begleiten, kommen uns gelegentlich Zweifel. Passt unsere zeitliche Vorgabe? Ein Schild weist die normale Aufstiegszeit zur Zugspitze mit acht Stunden aus. Das muss schneller gehen…

Wir kommen gut voran, nur selten begegnen uns Wanderer. Das Arrangement aus Bergwäldern, Wiesen, dem rauen Flussbett der Partnach und den majestätischen Felsflanken scheint wie für einen Fantasy Film gemacht. In der Nähe des Wasserfalls am Partnachursprung gönnen wir uns eine kleine Pause. Das Bergwasser lädt zu einer kräftigen Erfrischung ein, dadurch schonen wir unsere Trinkvorräte im Rucksack.

Auf dem Weg zur Reintalangerhütte

11.15 Uhr – Die Reintalangerhütte liegt bereits so abgeschieden, dass sie mit dem Hubschrauber versorgt werden muss. Das urige, 1912 erbaut Haus ist Stützpunkt vieler Zugspitztouren und liegt auf 1.370 m Höhe. Flott geht es an der Hütte vorbei zum Talschluss. Ab hier kennt der Weg nur eine Richtung: steil nach oben.

Der Obere Anger ist schon für sich genommen diese Tour wert: eine Mischung aus Idylle und Bergformationen, die an Bizarrheit und Größe kaum zu übertreffen sind. Wir wechseln ins Gehtempo und legen kleinere Trinkpausen ein. Zu heftig, zu geröllig sind die nächsten 600 Höhenmeter. Trotz kräftezehrendem Aufstieg kommen wir flott voran, schon bald sind die mächtigen Felstürme und Grate, die von unten noch Respekt eingeflößt haben, auf Augenhöhe.

Aufstieg zur Knorrhütte

12.40 Uhr – Die Knorrhütte ist das der Zugspitze nächstgelegene Schutzhaus auf Bayerischem Boden. Kommt man wie wir über den Felsensteig von unten auf sie zu, „klebt“ sie eindrucksvoll am Eingang zum Zugspitzplatt. In dieser Höhe gibt es außer Moosböden keine Vegetation mehr. Das scheint genug zu sein für die anspruchslosen Bergschafe, die hier in kleinen Gruppen weiden. Wir gönnen uns eine Rast in der windgeschützten Gaststube. Nach einem Liter Skiwasser, Kraftbrühe und Shirt-Wechsel verfügen wir wieder voll über unsere Energie. Und: Die nahe Zugspitze übt irgendwie einen Sog aus. Unser Ziel ist in erreichbare Nähe gerückt.

40 Minuten später sind wir wieder im Laufschritt unterwegs, überholen tippelnd einige Bergsteiger und überqueren die endlosen, nur durch Schneereste unterbrochenen Schotterfelder des Weißen Tals. Schon rücken die Anlagen der Sonnalpin-Seilbahn und das Schneefernerhaus mit seiner Wetterstation in Sichtweite. Noch eine kurze Trinkpause und zwei vorsichtige Blicke: einer nach oben zur zunehmend dichten Wolkendecke, einer auf die Uhr: 14.02 Uhr.

Klotzig kuschelt sich das Münchner Haus mit Veranstaltungszentrum und Seilbahn-Bergstation an den Zugspitz-Gipfel, mehrere Gruppen von Bergsteigern mit riesigen Rucksäcken erklimmen die steilen Serpentinen durch die Geröllfelder in Richtung „Top of Germany“. Natürlich ist der Gedanke auch bei uns kurz da: warum nicht auch noch hinauf auf 2.962 m?

Wir entscheiden uns, die Tour am Zugspitzplatt zu beenden und die Zahnradbahn um 14.30 Uhr zu nehmen, zwei Stunden früher als ursprünglich geplant. Aus Vernunft – der Himmel hat sich schon deutlich verdunkelt – und auch aus Stolz, überhaupt so weit nach oben gekommen zu sein.

14.21 Uhr – Am Gletscherbahnhof der Zugspitzbahn endet unsere Tour auf rund 2.600 m Höhe. Oben, sehr weit oben… Die GPS-Uhr zeigt eine Netto-Laufzeit von 4 Stunden 46 Minuten. 2.000 Höhenmeter (mit Zwischenanstiegen) liegen hinter uns, wir sind sehr zufrieden mit „unserer” Version eines Zugspitz-Trails.

Knorrhütte – Zugspitzplatt