Trailrunning, Laufstrecken und Laufgenuss 

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Wir rocken die Jachenau – 30 km Trailrun auf versteckten Höhenwegen

31.08.2013. Das reizvolle Hochtal der Jachenau liegt zwischen Lenggries und Walchensee. Und es gilt nicht gerade als Geheimtip, denn der findige Münchner Naturfreund hat diese Gegend klar auf dem Radar. Benediktenwand, Rabenkopf und Jochberg erfreuen den Wanderer mit jeweils prächtigen Alpenblicken. Sanfte und baumreiche Hügel, umgeben von fast parkartigen Wiesengründen, verwöhnen die Sinne. Der nahe Walchensee zieht wegen seiner Winde die Surfer an und darf trotz kalten Wassers zahlreiche Schwimmer zu seinen Fans zählen.

An unserem Lauftag Ende August lockt darüber hinaus gutes Wetter. Neben der Herausforderung des Gesamtanstieges von rund 1.200 Höhenmetern bei einer Distanz von 30 Kilometern besteht die Aufgabe deshalb darin, Wege zu finden, die zwar gut laufbar, aber eben nicht frequentiert sind. Wir verlassen den Ort Jachenau am Wanderparkplatz auf der gut ausgebauten Strecke entlang der Großen Laine in Richtung Norden. Noch teilen wir uns diesen Abschnitt mit einigen Wandergruppen, viele wahrscheinlich auf direktem Kurs zum Rabenkopf oder zur 1.801 m hohen Benediktenwand. Das ändert sich schlagartig nach der Abzweigung weg vom breiten Weg zum Wasserfall. Auf einem relativ steilen Schotterweg gewinnen wir schnell an Höhe und entdecken kurz hinter dem auffälligen Felsen des Kiensteins einen Waldpfad – der Einstieg zum verlassenen Höhenwanderweg. Nach einem weiteren Aufstieg im Wald schlängelt sich der Steig entlang von Hangwiesen an Hütten und Almen vorbei. Hat man erst einmal die 1.300-er Höhenlinie erreicht, bleiben längere An- und Abstiege aus. Einige Wegstücke lassen es dennoch nicht an Spannung fehlen, denn es gibt stellenweise keine Trittspur und keine Wegweiser.

Erst unterhalb der Benediktenwand trifft man Wanderschilder an. Hinter der Tanneralm in einer Senke unterhalb des mächtigen Berges zweigt die westliche Route zum Gipfel ab. Wir bleiben weiter auf unserem Höhenweg und setzen den Lauf durch einsamen Hangwald fort. Der Pfad endet letztlich bei einer Forststraße – das ist eindeutig Mountainbiker-Revier. Ansonsten geht die Rechnung auf: bislang wenig Menschen, beschauliche Atmosphäre und herrliche Blicke in die angrenzenden Alpenregionen. Ein interessanter Aspekt dieser Lauftour ist, dass man sie auf unterschiedlichen Wegen zurück nach Jachenau abkürzen und damit weniger anstrengend gestalten kann. Von der Forststraße bietet sich z. B. der Weg zum Laintal-Wasserfall als Rückweg an. Die Tourlänge beträgt in dieser Variante etwa 15 Kilometer.

Wir wollen die Jachenau jedoch ganz auskosten und nehmen das nächste Teilstück zum Rabenkopf in Angriff. Es geht weiter auf schmalen Trittpfaden über Almböden und durch knorrige Bergwälder. An der Wegkreuzung unterhalb des Rabenkopfes (…nächste Abkürzungsmöglichkeit) und insbesondere rund um die Staffel-Alm treffen wir wieder verstärkt andere Bergliebhaber. Die Alm ist jedoch eine prima Gelegenheit, den Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu bringen.

Vom Rastplatz aus können wir bereits hinüber zum Jochberg sehen – zwischen ihm und uns liegt ein gut 250 m tiefer Taleinschnitt. Hinunter führt der Weg nach Kochel, er ist an der Alm ausgeschildert. Da die Staffelalm für viele Rabenkopf-Besteiger Endstation bzw. Umkehrpunkt ist, genießen wir nun wieder traute Einsamkeit. In der Talsohle verläuft eine Forststraße, die sich vom Kochelsee hochzieht. Wir wechseln dort kurz in lockeren Trab, um nicht die Passage hinüber zum Jochberg zu verpassen. Sie taucht links in Form eines schmalen Pfades gleich nach dem auffallenden Kuhgatter auf und leitet geschickt ohne Anstieg um den Nachbarn des Jochberges, den 1.515 m hohen Hirschhörnlkopf, herum. Dort, wo dieser Pfad auf den breiten Wanderweg entlang des Kotbaches trifft, besteht eine letzte Abkürzungsmöglichkeit für diejenigen, die sich einen erneuten Anstieg in Richtung Jochberg ersparen wollen. Alle anderen nehmen wie wir den Wiesenpfad jenseits des Wanderweges und laufen von dort nach rechts mäßig steil hinauf.

Wir umgehen den Gipfel südlich und werfen nur einen kurzen Blick auf die überfüllte Jocher-Alm. Zum Glück haben wir genügend Trinkreserven und müssen hier nicht einkehren. Ab hier geht es wieder bergab, nur kurz lässt sich dabei der Walchensee blicken. Wer den mit über 16 km² Fläche größten Gebirgssee Oberbayerns ausgiebiger von oben betrachten will, muss leider doch auf den Jochberg steigen.

Statt von der Alm aus weiter auf dem breiten Forstweg nach Jachenau zu laufen, orientieren wir uns rechts und nehmen den Steig zur Fieberkapelle durch dichten Hangwald. Schon wieder fast unten auf Ausgangshöhe endet der Pfad auf einer Kiesstraße. Dort empfehlen wir, ein Stück nach rechts in Richtung Sachenbach zu laufen. Warum? Weil es für die letzten drei Kilometer einen sehr schönen Waldweg zurück nach Jachenau gibt. Dazu läuft man auf der Asphaltstraße vom Walchensee wieder scharf links und findet kurz vor der hölzernen Straßenbegrenzung den beschilderten Eingang. Für Orientierungsspezialisten hat diese Variante ebenfalls noch ein Zuckerl parat: Bei der nächsten breiten Weggabelung versteckt sich der Anschluss zum Waldpfad derzeit hinter einem Kieshaufen. Ja, Schilder gibt es auch – die sieht man aber erst, wenn man sich für die rechte Abzweigung entschieden hat und etwas ratlos vor dem Kieshaufen steht. Ab dort ist es wieder ein Kinderspiel. Entlang eines Baches, von Wiesen und des westlichen Ortsteiles von Jachenau legen wir die letzten Meter zurück und genießen die bezaubernde, ursprüngliche Atmosphäre dieses besonderen Flecken Erde. Und das ziemlich alleine…

Lange, anstrengend – und sehr empfehlenswert für Läufer mit Kraft und Kondition.

1 Antwort

  1. Sehr feine Runde! Die kleinen Pfade über den Latschenkopf kannte ich bislang nicht. Danke für die gute Beschreibung!

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