Trailrunning, Laufstrecken und Laufgenuss 

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Trailrunning in den Bayrischen Alpen: zwei auf einen Streich

In 2014 ist die Anzahl von aufeinander folgenden Tagen mit passendem Berglauf-Wetter sehr begrenzt. Das macht leider viele unserer Planungen zunichte – da geht es uns wie allen passionierten Outdoor-Sportlern. Gerade in den Bergen ist stabiles Wetter Voraussetzung, denn als Läufer können wir nicht kiloweise Schutzkleidung und Ausrüstung mitführen. Am 8. und 9. August ergreifen wir kurzfristig die Chance, um zwei Touren hintereinander anzugehen und mit einer Übernachtung am Tegernsee zu verbinden. Wir testen eine laufbare Strecke von der Valepp hinauf zum Österreichischen Schinder (auch oft Trausnitzberg genannt) sowie einen Trail in den Blaubergen zur Halserspitze am Tag darauf. Die zweite Tour müssen wir dann doch kürzen, um vor dem gegen 13 Uhr einsetzenden, heftigen Regen im Tal zu sein.

Trotzdem vertieft jede Lauftour die besondere Beziehung zu unseren Bergen. Wir haben noch keinen Ausflug dorthin bereut – jeder Steig, jeder Ausblick, zahlreiche Almen, schroffe Wände, satte Bergwiesen, knorrige Hangwälder und rauschende Bäche mit kristallklarem Wasser belohnen Anfahrt, Anstiegsmühen und das Zwicken in den Beinen nach einem langen Lauf zurück ins Tal.

Der Weg auf den (Österreichischen) Schinder ist für geübte Trailrunner mit Bergerfahrung gut machbar (rund 19 km und ca. 1.500 Höhenmeter). Der Großteil der Strecke verläuft dabei auf Österreichischem Gebiet und besteht aus typischen Bergpfaden, die sich nicht all zu steil an den Flanken des Trausnitzecks hinauf ziehen. Vom Forsthaus Valepp folgt man zunächst der Beschilderung in Richtung Schinder über Trausnitzalm. Hinter der Alm wenden wir uns nach rechts und nehmen den nun steileren Gipfelweg in Angriff. Die empfohlene Variante nach unten zweigt einige Meter vor dem Gipfelkreuz nach links ab, der Wegweiser in Richtung Ritzelberg-Alm ist etwas versteckt und unkonventionell am Boden angebracht.

Klar kann jeder, der die Tour weiter ausdehnen möchte, auch noch den Bayrischen Schinder besuchen. Der Gipfel ist mit 1.796 m Höhe 12 Meter niedriger als sein Österreichischer Bruder, liegt rund 900 Meter westlich und ist über einen direkten Verbindungssteig erreichbar. Beeindruckend ist das steile Kar, das sich dabei nördlich des Weges mehrere hundert Meter in die Tiefe zieht. Ein seilversicherter Abstieg nach Valepp durch dieses Kar ist möglich, aber sicher nichts für Läufer. Wir empfehlen den direkten Abstieg vom Österreichischen Schinder auf einem verwachsenen Pfad zur Ritzelberg-Alm. Für die Alternativen im Westen braucht man definitiv alpinistisches Geschick und beide Hände.

Es geht im Talboden der Ritzelberg-Alm weglos über eine wunderbare Wiese und bei einem einsamen, auffallenden Baum den Schildern in Richtung Erzherzog-Johann-Klause nach. Der Streckenverlauf ist dabei allerdings nicht immer ganz deutlich und stellenweise auch recht holperig. Nach intensivem Regen – und davon haben wir in 2014 ja wirklich genug – sind viele Stellen aufgeweicht und matschig. Wer keine nassen Füße bekommen will, kann auch die Schleifen der im unteren Bereich des Bergmassivs angelegten Forststraße auslaufen.

Wir überqueren eine Brücke über die Brandenberger Ache, wenden uns nach links und gönnen uns direkt am Ufer eine kleine Pause. Einige Fischer versuchen ihr Glück inmitten des Flussbettes. Es geht gut einen halben Kilometer direkt am Fluss weiter, bevor der Weg wieder deutlich an Höhe gewinnt. Zurück auf etwa 950 Meter Höhe überqueren wir die Landesgrenze – kurz vor der Einmündung des Pfades auf die Forststraße nach Valepp begegnen wir einem deutschen Grenzschild am Waldrand. Wir reisen also ein und laufen auf Bayrischem Boden zurück zum Ausgangspunkt.

Bildstrecke Valepp – Österreichischer Schinder

Die Halserspitze ist mit 1.862 m der höchste Gipfel der Blauberge (sowie der Tegernseer Berge insgesamt) und unser Ziel am zweiten Tag. Vom Tegernsee fahren wir nach Kreuth, durch die Übernachtung vor Ort sind wir sozusagen in der Pole Position und damit lange vor dem Ausflugsverkehr am Startpunkt.

Zunächst folgen wir den breiten Wanderwegen zur Fischzucht und nach Siebenhütten. Es gibt von Kreuth zwei Hauptrouten: eine über Wolfsschlucht und Schildenstein – viel begangen – und eine Südost-Route über den Wenigberg. Letztere ist für viele Bergsteiger die Rückroute, für uns jedoch erste Wahl für den Weg hinauf. In der Literatur und zahlreichen Internetforen wird die Überschreitung der Blauberge nur fortgeschrittenen und erfahrenen Alpinisten mit Kondition für sieben bis acht Stunden empfohlen.

Statt in Richtung Siebenhütten zu laufen, halten wir uns an einer auffälligen Gabelung links und folgen dem Bett des Hohlensteinbaches. Nach einer Bachüberquerung geht es über 1,5 km mäßig steil bergauf, bis rechts eine Abzweigung in den Zweiselgraben führt. Ab hier zieht die Steigung deutlich an, mit der richtigen Technik ist dieser Abschnitt aber ebenfalls laufbar. In 1.300 Meter Höhe stoßen wir auf eine Bergwald-Lichtung und passieren weite Grashänge mit prächtigen Blicken hinüber zum Guffert auf fast ebenem bzw. leicht abschüssigem Pfad.

Die einsame Jagdhütte direkt am Weg mag vermutlich die Wenigberg-Hütte sein. Ab hier wird es noch mal richtig steil, weitere 250 Höhenmeter stehen auf dem Programm. Hat man diese erst einmal geschafft und den Waldgürtel verlassen, richtet sich der Blick auf den schon von Weitem sichtbaren Gipfelaufbau der Halserspitze. Wir halten kurz an und genießen das Gebirgspanorama. Leider ziehen zu dieser Zeit bereits dunkle Wolken von Süden auf, das verkündet einen baldigen Wetterwechsel. Aus diesem Grund entscheiden wir, weder die letzten 200 Meter hinauf zum Gipfel zu steigen noch den Weg auf der Südseite des Blauberg-Grades zu testen.

Der Weg hinab ist zunächst in Richtung Gufferthütte ausgeschildert. Noch vor der Tiroler Landesgrenze drehen wir nach Norden ab und nehmen den kurvenreichen Steig hinab zur Forststraße durch die Langenau. Kurz nach unserer Ankunft in der Talsohle setzt der Regen ein – das Timing könnte nicht besser sein. Auf dem sicheren Forstweg geht es an der Schwaigeralm vorbei, kurz danach entlang der Weissach nach Wildbad Kreuth und letztlich zurück zum Parkplatz. Am Ende bringt diese Runde trotzdem gut 20 Kilometer bei fast 1.000 Höhenmetern auf die Waage. Blauberge, wir kommen wieder…

Bildstrecke Blauberge/ Halserspitze

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